05.11.2013

Heiko Reinhardt im Sportbuzzer

E.M.L. in Recklinghausen
E.M.L. Finalisten Daniel Köhler (links) und der Lübecker Heiko Reinhardt

Vest Arena, Recklinghausen. European Muaythai League. Der Lübecker Heiko Reinhardt besiegt Daniel Köhler nach Punkten. Reinhardt ist Deutscher Meister dieser thailändischen Kampfkunst, die aus Ellenbogen-, Knie- und vor allem Schienbeinschlägen besteht und deren Geschichte bis ins sechste Jahrhundert zurückreicht. Hart aber fair – sagt Reinhardt. Fairer sogar als Fußball. Und er weiß wovon er spricht. Reinhardt ist Fußballer und Muaythai-Boxer.

Am Abend in der Arena ist fast die gesamte Kreisliga-Mannschaft des VfB Lübeck III angetreten, um ihren Teamkollegen anzufeuern. Gemeinsam haben sie die 398 Kilometer auf sich genommen. Zur Überraschung von Reinhardt, wie Trainer Florian Schnoor weiß: “Er hat uns erst nach seinem ersten Kampf gesehen und war total baff. Das ist uns richtig gut geglückt.”

Der 32-jährige Reinhardt ist nicht nur Könner im Ring, sondern auch auf dem Fußballplatz. Mit dem VfB ist er in der vergangenen Saison aus der Kreisklasse A aufgestiegen, jetzt geht's in der Kreisliga rund. “Früher war ich der Allrounder der Mannschaft, habe überall gespielt, wo der Trainer mich aufgestellt hat. In der Kreisliga geht das aber nicht mehr so einfach”, sagt Reinhardt und lacht. “Seitdem bin ich auf das defensive Mittelfeld abonniert.”

Vor dem Kampf gab's allerdings eine selbstverordnete Pause: “Ich war über ein Jahr wegen eines Bandscheibenvorfalls außer Gefecht, da wollte ich jetzt auf Nummer sicher gehen und habe rechtzeitig den Fuß vom Gas genommen. Es hat sich ausgezahlt.”

Der Fußball ist seine zweite große Leidenschaft neben dem Kampfsport. Sein Team “Soul & Thunder” (deutsch: Seele und Donner) betreut er seit Mai sogar in seinem eigenen Gym in der Kronsforder Allee. “Wir richten uns noch ein, die Kampfstätte ist aber sehr schön. Wir hoffen auf regen Zuspruch. Kampfsport ist eigentlich ein verfehlter Ausdruck. Ich möchte vor allem Werte wie Fairness und Respekt vermitteln”, sagt er und stellt eine interessante These auf: “Ich spüre, dass Thaiboxen wesentlich fairer ist als Fußball. Da wirst du doch ständig von hinten umgegrätscht.”

Reinhardt ist in der Thaibox-Szene ein Star, war auch im bekannteren K1 erfolgreich: “Bis zu meiner Verletzung im vergangenen Jahr war ich K1-Europameister. Ich hätte nichts dagegen, mir den Titel bald wieder zurückzuholen.” Titelträger ist übrigens Daniel Köhler. Der Mann, den er in Recklinghausen auf die Bretter schickte.

Angefangen hat er als Knirps jedoch beim Fußball: “Mit fünf ging's da los, ich habe in der Jugend lange bei Eintracht Groß Grönau gespielt, mich dann beim FC Dornbreite auch mal kurz in der Ersten versucht.”

Um agil zu bleiben, fing er mit 21 Jahren mit dem Boxen an. “Ich merkte, dass mir die Beweglichkeit im Oberkörper fehlte. Ein Trainer sagte zu mir, ich solle Thaiboxen probieren. Nach sechs Wochen hatte ich meinen ersten Kampf in der Hansehalle.”

Fußball bleibt dennoch seine Leidenschaft – inzwischen seit langen Jahren in der “Dritten” beim VfB. Trainer Schnoor ist begeistert: “Heiko ist ein toller Typ – die Tatsache, dass fast die gesamte Truppe an einem Sonntagabend nach Recklinghausen düst, zeigt seinen Stellenwert im Team, auch wenn er zuletzt viel pausieren musste. Der Teamgeist wird bei uns aber groß geschrieben.”

Zunächst kann Reinhardt wieder unbeschwert für den VfB III bolzen – im Dezember steht für den 32-Jährigen das nächste ganz große Highlight an. Erstmals kämpft er in Asien. Durch den Sieg in Recklinghausen hat Reinhardt sich für Promotionkämpfe in Kambodscha qualifiziert. Auf das Turnier “East meets West” freut er sich schon ganz besonders: “Das ist das Nonplusultra, mal in Asien Thaiboxing zu machen.” Das Finale steht dann im August 2014 an.

Ob seine VfB-Kumpels in Phom Penh dann auch mit dabei sind?